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Streit vor Gericht – muss das sein? Möglichkeiten außergerichtlicher Streitbeilegung

Mai 2010

Wer schon Beteiligter in einem Gerichtsverfahren war wird bestätigen können, dass diese Art der Konfrontation nichts für schwache Nerven ist. Viele Monate, mitunter sogar Jahre, rauben Anwaltsbriefe und der quälend langsame Fortgang der Angelegenheit den Streitparteien den Nachtschlaf und oft bleiben Verbitterung, ein Scherbenhaufen in den persönlichen Beziehungen der Beteiligten und ein Kostenberg zurück.

Jedoch gibt es auch zahlreiche andere Möglichkeiten, Konflikte einer Lösung zuzuführen und die Parteien so abzusichern, dass sie ihr Recht, wenn es erforderlich wird, auch mit den Mitteln der Zwangsvollstreckung durchsetzen können:

Streiten die Parteien um das Sorgerecht oder den Umgang mit Kindern, hat das Jugendamt als Beratungseinrichtung die Aufgabe, das Entstehen gerichtlicher Streitigkeiten entbehrlich zu machen.

Bei Streiten um Kindesunterhalt bietet das Jugendamt dem Verpflichteten die Möglichkeit, vollkommen kostenfrei eine vollstreckungsfähige Jugendamtsurkunde über den zu bezahlenden Unterhaltsbetrag erstellen zu lassen, die in ihrer Wirkung einem Gerichtsurteil gleichkommt.

Ein Gerichtsstreit über finanzielle Folgen einer Trennung und Scheidung erübrigt sich, wenn die Parteien außergerichtlich, meist mit anwaltlicher Hilfe, eine Lösung aushandeln und beim Notar eine so genannte Ehescheidungsvereinbarung beurkunden lassen.

Auch hässliche Erbstreitigkeiten können vermieden werden, wenn außergerichtlich verhandelt wird und ein notarieller Erbauseinandersetzungsvertrag geschlossen wird.

Führen die außergerichtlichen Verhandlungen unter anwaltlicher Beteiligung nicht zu einer einvernehmlichen Lösung oder hat sich ein Gerichtsverfahren nach langem Streit so richtig „festgefahren“, besteht jedenfalls für unterhaltsrechtliche und vermögensrechtliche Streitigkeiten die Möglichkeit, sich an das „Süddeutsche Familienschiedsgericht“ zu wenden (www.familienschiedsgericht.de).

Einen nicht konfrontativen, sondern ausgleichenden Ansatz hat die immer häufiger angewandte Mediation. Sie ist ein Verfahren, das sich als Hilfe zur Selbsthilfe versteht. Ein völlig unparteiischer Mediatior hilft ähnlich wie ein Katalysator den Parteien, ihre eigenen Lösungen zu erarbeiten, indem er das Verfahren strukturiert sowie Informationsdefizite und Machtungleichgewicht ausgleicht. Da der Mediator keine Lösungen vorgibt, müssen sich die Parteien einer Mediation ergebnisoffen, fair und konstruktiv auf mitunter sehr anstrengende Gespräche einlassen. Es können auch Lösungsansätze mit einbezogen werden, die nicht unbedingt direkt etwas mit dem Problem zu tun haben, in der Gesamtschau jedoch eine ausgleichende Regelung ergeben. Denkbar sind auch zeitlich befristete Regelungen, um zunächst die Umsetzung der angedachten Lösung im Alltag überprüfen zu können.

Mediatoren finden sich in den sozialen Berufen, aber auch zunehmend im Anwaltsstand, da der Anwaltsmediator nicht nur die Mediation durchführt, sondern die Kompetenz hat, gefundene Lösungen in rechtlich einwandfreie und einer Überprüfung Stand haltende Vereinbarungen zu gießen.

Die Mediation ist nicht auf das Gebiet des Familienrechts beschränkt, sondern findet mehr und mehr im Wirtschaftsleben, in der Arbeitswelt, im Erbrecht und in allen Bereichen, in denen es gerade auch auf persönliche Beziehungen ankommt, eine wachsende Anhängerschaft.

Durch eine Mediation wird in vielen Fällen die Beiziehung eines zweiten Anwalts überflüssig. Neben dem guten Gefühl, selbst eine faire und auf die Beteiligten zugeschnittene Lösung erarbeitet zu haben, kann die nach Zeitaufwand zu bezahlende Mediation auch eine erhebliche Kostenreduzierung mit sich bringen.

Mitgeteilt von Gabriele Nonnenmacher, Fachanwältin für Familienrecht und Mediatorin sowie Dr. Kurt Nonnemacher, Fachanwalt für Erbrecht und Mediator.